Den Riot in Die Steppe tragen

Ein großer Punkt, wo so manche Angst vorm Land herrühren mag, ist der Mythos um die eingesetzte Technik der Polizei. Natürlich erleichtert diese der Gegenseite so Einiges, aber eben nicht alles. Es gibt Lücken und Schwachpunkte und wenn mensch um diese weiß und etwas geschickt ist, kann so manches gelingen. Außerdem wird gerne übersehen, dass Technik auch meist teuer ist und somit nicht massenhaft zu Verfügung steht. Und zudem ist die Größe des Areals und Vielfältigkeit des Geländes überhaupt nicht mit der Stadt zu vergleichen, denn noch können Polizist_innen nicht geklont werden (auch wenn die meisten so aussehen) und müssen sich großflächig verteilen, also ausdünnen. Dies kann durch geschicktes Vorgehen noch verstärkt werden. So kann ein Ablenkungsmanöver an einer Stelle sinnvoll sein und den Erfolg einer Aktion an anderer Stelle ermöglichen.

Auch die zurückzulegenden Strecken sind für alle Beteiligten erheblich größer. Das bedarf auf der einen Seite mehr Kondition. Auf der anderen Seite sind meist nicht wir es, die zu einem genauen Zeitpunkt an einem bestimmten Punkt sein müssen und dafür nur wenig Zeit haben. Besonders das schnelle Fortbewegen auf dem Land ist häufig schwierig. Wenn dann die wenigen Wege nicht befahren werden können, ist mit „schnell“ erstmal Schluss.

Alles in allem gibt es verschiedenste und vielfältigste positive Erfahrungen mit Aktionen auf dem Land, so bei den Castor-Blockaden im Wendland und anderswo oder einigen Gipfelprotesten oder antirassistischen Grenzcamps. Einige dieser Erfahrungen sind hier zusammengefasst. Einige sind nicht aktionsspezifisch, sondern allgemein und auch in der Stadt zu beachten, andere etwas spezieller… Bei allen technischen, taktischen und strategischen Überlegungen solltet ihr immer das Maß finden, ihr selbst zu bleiben mit euren quirligen und lebensbejahenden Gedanken und Ausdrucksformen. Es kann nicht darum gehen, in eine militärische Logik zu verfallen – auf dem Gebiet ist die Gegenseite, die Bullen, der Staat nicht zu schlagen. Es muss darum gehen, durch phantasievolle und unberechenbare und massenhafte Aktionen die politischen Verhältnisse durcheinander zu bringen. Militärisch geplante und durchgeführte Aktionen sind für sie nachvollziehbar und berechenbar.

Auch wenn im folgenden viele technische Details und Tipps gesammelt sind: bemüht euch nicht, dies zur Perfektion zu treiben. Dann wärt ihr bei paramilitärischen Strukturen, die keinen Raum für Individualität lassen. Es sollen ein paar Anregungen sein, die nicht den Blick auf überraschend lustige, vielfältige und auch mal banale Aktionen versperren sollen, die mit einer emanzipatorischen Überzeugung verbunden sind. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass nicht die einzelne Aktion zum Erfolg führen wird, sondern der Kontext einer Vielzahl von Aktionen. Beißt euch also nicht zu sehr an einer Aktion fest oder seit total frustriert, wenn diese mal nicht klappt. Vielleicht war es einfach Zufall, dass der Wasserwerfer genau auf eurem Aktionsort stand, vielleicht wurde der Ort schon von einer anderen Gruppe vor euch „benutzt“, vielleicht waren aber auch eure Absprachen nicht ausreichend – in jedem Fall solltet ihr eine Nachbereitung machen: Aus Fehlern lernt mensch!

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