Möglichkeiten einer schnellen Entscheidungsfindung

oder “Ach du Scheiße, da ist ne Lücke in der Bullenkette!”

Vielleicht warst Du/ ward Ihr schon mal auf einer Demo oder Aktion, Ihr wolltet ein Genfeld besuchen, eine Bundeswehrkaserne blockieren oder ein blödes Lobbyistentreffen stören? Ihr habt euch was Nettes überlegt, da mensch ja eh vor der Bullenkette herumsteht und dann wenigsten nette Bilder rüberkommen sollen. Und nun das Unmögliche: die Cops stehen in 15 Meter Abstand gelangweilt bspw. vor dem Nobelhotel rum, die/ der Security ist mit einer andere Gruppe am Seiteneingang beschäftigt, und der Weg zum Lobbyist_innenpodium ist frei! Tja, was tun? Eine schnelle Entscheidung muss her! Wir wollten doch mehr als Bilder und eine direkte Aktion ist vielleicht doch sinnvoller. Schön ist es dann, mit Leuten unterwegs zu sein, die sich gut kennen; ein ähnliches Level haben oder spontan den gleichen Gedanken haben – letzteres passiert selten, wenn Ihr zum ersten Mal zusammen unterwegs seid. Hier soll es um den Weg zu Entscheidungen innerhalb der Gruppe gehen, ohne Zeitdruck.

Entscheidungsfindung im Konsens

Eigentlich wollten wir über Techniken der schnellen Entscheidungsfindung was schreiben, aber beim länger darüber Nachdenken trat dieser Punkt immer mehr in den Hintergrund. Viel wichtiger ist ein prozesshaftes Vorgehen. Erstmal vorweg: wir meinen, dass es wichtig ist, innerhalb einer Bezugsgruppe im Konsens zu entscheiden, sonst kann mensch ja auch einer Partei, einer Politsekte oder einem Verein beitreten. Zum Konsens noch ein paar Ergänzungen, da jetzt alle an ewig lange Diskussionen denken, bis alle „ja“ sagen und das letzte Komma auf dem Flugblatt eine halbstündige Diskussion erfordert hat und die Farbe vom Stoff für das Transparent zum Politikum wird… So muss es nicht sein! Oft stehen andere Gründe hinter diesem Vorgehen, im schlimmsten Fall persönliche Zerwürfnisse, die dann über die Schriftart auf dem Plakat ausgetragen werden. Konsens heißt für uns, dass entweder mensch innerhalb der Bezugsgruppe einer Meinung ist (der Idealfall) oder ein Großteil es will und die kleinere Gruppe sagt, dass es so okay ist, es aber nicht die Ideallösung ist (die mensch leider nicht gefunden hat, sich aber auch darum bemüht hat). Wichtig ist, dass keine/r ein Veto ausgesprochen hat! Dabei gehen wir davon aus, dass das Veto wirklich der letzte Weg ist, eine längere Diskussion zu beenden, weil mensch da keine Kompromisse eingehen kann. Einerseits sind alle aufgefordert, sensibel zu sein, da sich auch nicht alle trauen, ein Veto auszusprechen. Andererseits solltet ihr beobachten, was passiert, wenn ständig ein Veto eingelegt wird (in welchen Situationen etc.) und ob der Punkt nicht erstmal wieder auf der Ebene darunter diskutiert werden sollte oder ein grundlegenderes Problem vorliegt.

Entscheidungen sind Prozesse

Insgesamt ist es uns wichtig, den Weg zu Entscheidungen als einen Prozess zu betrachten. Es gibt zwar Techniken, die in vielen Gruppen funktionieren, aber das heißt ja nicht, dass Ihr darauf Lust habt. Es heißt nicht umsonst „Bewegung kommt von bewegen“, nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Viel Spaß beim Experimentieren, Diskutieren, Lachen, Kämpfen, Reden…. Es gibt naürtlich die unterschiedlichsten Entscheidungen, für die mensch sich unterschiedlich viel Zeit nehemn sollte. Um konstruktiv zu einer Entscheidung zu kommen, ist es gut, sich erst einmal klar zu machen, was die Fragestellung ist. Um was soll es bei der Diskussion gehen und was muss entschieden werden? Lieber nochmal einen Schritt zurück und prinzipiell reden, als sich dann im Detail zu zerreden, wobei das Ergebnis oft ist, dass alle genervt sind. Bei “Beschlüssen” auch mal nachfragen, ob alle wirklich das gleiche meinen. Zu Themen, die alle betreffen, kann ein “Blitzlicht” gut funktionieren. Dort bekommen alle der Reihe nach den Raum, etwas zu sagen und können hören, wie jede_r zu dem Thema steht. Falls das gut zusammen gefasst wird, kann daraus eine konkrete Frage zum Weiterdiskutieren entwickelt werden. Es ist auch hilfreich, wenn Menschen in der Runde sagen, dass das Thema von ihnen als nicht so wichtig erachtet wird und es dann auch okay ist, dass nur die es besprechen, denen es wichtig ist.

sich nicht gegenseitig überrennen

Nun zu der „Lücke in der Bullenkette“ bzw. zu Entscheidungen, die mensch schnell fällen muss. So richtig können wir da auch keine Techniken vorstellen. Es geht in solchen Situationen viel um Vertrauen, ein Gefühl füreinander oder ein spontanes „das versuchen wir jetzt einfach“. Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, keine_n in der Gruppe zu „überrennen“ oder mitzuzerren gegen ihren/seinen Willen und sensibel zu sein für ein leises „das will ich nicht“. An solchen Punkten ist es wichtig, Keine_n alleine stehen zu lassen. Schließlich wollen zusammen weiter kommen, das heißt dann eben auch, dass Keine_r allein gelassen wird! Wenn sich spontan zwei Gruppen bilden mit „da durch wollen“ und „lieber was anderes machen“ , warum sich nicht trennen? Das ist kein Statement zum „mensch kann sich ja beliebig teilen, und nachher sind dann alle in Zweiergruppen unterwegs“. Aber auch das kann durchaus eine Option sein.

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