Out Of Action – emotional support

Der folgende Text ist von der Gruppe „out of action“.

Wer wir sind.

Wir verstehen unsere Gruppe als einen Teil der Antirepressionsstruktur und des internationalen Activist Trauma Support-Netzwerks. Unser Anliegen ist es, über die vielfältigen und manchmal auch langfristigen psychischen Folgen von Repression zu informieren und damit vorzubeugen. Gleichzeitig wollen wir vor Ort bei den politischen Protesten „emotionale Erste Hilfe“ anbieten (z.B. beim G8-Gipfel in Heiligendamm). Um zu uns zu kommen, musst Du nicht unbedingt die „krasse Action“ erlebt haben, sondern es kann ja auch einfach mal sein, dass es Dir (aus welchen Gründen auch immer) schlecht geht oder Du einfach nur einen ruhigen Ort brauchst. Physische Wunden erfahren in der Regel viel Aufmerksamkeit, doch psychische Wunden sind genauso behandlungsbedürftig. Auch das bloße Mitansehen von Gewalt kann zu einer Traumatisierung führen. Oft werden Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten als „zu schwach“ stigmatisiert. Doch diese Erfahrungen sind kein privates Problem. Letztendlich ist eine funktionierende Bezugsgruppe, in der es einen bewussten Umgang mit Gefühlen wie Angst, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Panik usw. gibt, die beste Prävention.

MÖGLICHE REAKTIONEN NACH EINEM TRAUMA

Die folgenden drei ‚Phasen‘ können in beliebiger Reihenfolge nach-, nebeneinander oder auch gleichzeitig auftreten, manchmal tun sie oder einzelne von ihnen es auch überhaupt nicht:

  1. Wiedererleben des Erlebten Alpträume, Flashbacks, intrusive (immer wiederkehrende) Erinnerungen, das Gefühl, dass das Erlebte einen nicht mehr los lässt, etc.
  2. Vermeidung-/ Verdrängungsverhalten Erinnerungsverlust, erhöhter Alkohol/ Drogenkonsum, Selbstisolierung, Vermeidung von allem, was mit dem Erlebten zu tun hat oder einen daran erinnert, Aufbau einer Distanz zu dem Geschehenen etc.
  3. Übererregbarkeit Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Gefühls- und Wutausbrüche, Angst, Panik, Konzentrationsschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit, etc.

WIE DU ANDERE IN DEINER BEZUGSGRUPPE UNTERSTÜTZEN KANNST

– Warte nicht, bis Du um Hilfe gefragt wirst, sondern sei einfach für sie/ihn da. Gib nicht auf, auch wenn Du vielleicht das Gefühl hast vor einer Mauer zu stehen. – Die Tage direkt nach der Erfahrung sind besonders wichtig zum Reden, danach wird oft „zugemacht“. – Vielleicht fühlst Du Dich unsicher und weißt nicht, wie Du Dich verhalten sollst. Informiere Dich über Trauma, um die Reaktionen besser verstehen zu können. Einfach “normal“ sein, ohne zu bemitleiden und ohne aufdringlich zu sein, kann viel helfen. Bemühe Dich gleichzeitig den Reaktionen gegenüber tolerant zu sein. Das Wichtigste ist, dass Dein_e Freund_in sich in Deiner Gegenwart wohl und sicher fühlt. – Traumatisierte Menschen isolieren sich häufig und haben Schwierigkeiten, um Hilfe zu bitten. Sie wollen kein Mitleid, sondern Verständnis, keine aufgedrängte Hilfe, sondern Einfühlungsvermögen. – Vergiss nicht, dass Menschen nach traumatischen Erlebnissen anfangs oft OK erscheinen und die Reaktionen erst später auftreten können. – Sei ein_e gute Zuhörer_in. Vermeide es, zu bald, zu lange und zu viel zu reden. Oft tendieren wir dazu Rat zu geben, anstatt wirklich zuzuhören. Durch einen Mangel an Unterstützung können die Reaktionen verstärkt werden, was als so genannte „sekundäre Traumatisierung“ bezeichnet wird. (Dass von Täter_innen keine gute Behandlung zu erwarten ist, ist klar, aber wenn irgendwer hinterher das Gefühl hat, seine/ihre Freund_innen sind nicht für ihn/sie da, bricht die ganze Welt zusammen.) Diese sekundäre Traumatisierung kann oft schwerwiegender sein, als das Erlebte und ist daher äußerst ernst zu nehmen. Achte darauf, dass Dein_e Freund_in sich nicht allein gelassen fühlt.

– Gute Therapeut_innen können helfen. Mit einem gebrochenen Bein gehst Du ja auch zum Arzt… Ein Trauma ist sozusagen eine psychische Wunde. Der/die Therapeut_in sollte Erfahrung mit Trauma-Arbeit haben. Sonst bringt es oft nicht viel – auch für Dich gilt – diese Zeit kann sehr schwer sein, aber sie geht vorbei. Pass auf Dich auf und sei gut zu Dir. Rede mit wem darüber, wie es DIR geht.

Es ist an der Zeit, uns darum zu kümmern – nicht alleine, nicht im Privaten, sondern zusammen als solidarische Bewegung! Genauer informieren könnt Ihr euch unter: http://wiki.dissentnetwork.org/wiki/Trauma Persönlich sind wir zu erreichen unter: mail@outofaction.net

Anmerkung der Red.: Die Gruppe re.ACTion hat 2007 das Büchlein „Antisexismus reloaded – Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch fuer die antisexistische Praxis“ herausgebracht (Unrast Verlag, Muenster 2007). Dieser Leitfaden richtet sich sowohl an Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben als auch an solche, die Erfahrungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Hier werden die entscheidenden Punkte angesprochen, kontextualisiert und Vorschläge für einen reflektiertes Handeln dargestellt, d.h. Grundlagen zu Definitionsmacht, Parteilichkeit, Veröffentlichung, Unterstützer_innengruppe, Umgang in Politgruppen, Täterumgang, etc.

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