Solidarität kann eine Waffel sein

Unserer Meinung nach gehören immer auch Überlegungen dazu, inwiefern einzelne von Euch, Eure gesamte Gruppe oder die Leute neben Euch vor, während oder nach der Aktion von politischer Repression betroffen sein können. Viele beschäftigen sich lieber nicht damit oder vertrauen darauf, „dass schon alles gut geht“. Andere schrecken möglicherweise auch vor bestimmten Handlungen zurück, wenn sie sich mit den möglichen Folgen näher auseinandersetzen.
Beides ist unserer Meinung nach nicht das Gelbe vom Ei. Wir halten daran fest, dass unser politisches Leben sich nicht rechtlichen Rahmenbedingungen, polizeilicher Drohkulisse oder Einschüchterung einfach unterwerfen sollte. Viele nennen ihr Engagement Zivilen Ungehorsam, oder gehen davon aus, dass sich nur durch den Druck sozialer, politischer Bewegungen die Verhältnisse verändern.
Wer wann und in welchem Umfang von Repression betroffen ist (z.B. brutale Polizeigewalt auf Demos, Straf- oder Haftbefehle, Auflagen z.B. im Sinne von Reisebeschränkungen, Observationen, Bespitzelungen, Untersuchungshaft, Hausdurchsuchungen usw. usw.), lässt sich bei aller Erfahrung nicht genau vorhersagen. Sie kann pazifistische FriedensaktivistInnen und militante Kreise treffen, oder auch mal die überraschte Mitbewohnerin oder den älteren Genossen, der schon seit Jahren nicht mehr aktiv ist. Sie ist politischen Konjunkturen unterworfen oder hängt auch mal vom Jagdeifer eines einzeln Beamten oder einer eifrigen Staatsanwältin ab. Manche nennen es Willkür, andere Rechtsstaat. Gemeinsam ist allen Situationen, dass sie für die Betroffenen meist äußerst unangenehm und bedrohlich sind.
Vertrauen in die Gruppe und sich selbst stärken kann. Man fühlt sich staatlichen Repressionsorganen gegenüber nicht völlig hilflos ausgeliefert, sondern hat vieles im Kopf schon mal durchgespielt oder von Leuten gehört hat, wie sie mit solchen Situationen umgegangen sind. Deshalb glauben wir, dass das Thema Repression im politischen Alltag eine Rolle spielen sollte, dazu gehören auch die Ängste, Unsicherheiten und Fehler, die wir alle in solchen Momenten
kennen. Auch hier gilt die Parole der Broschüre ganz wunderbar: Zusammen mehr erreichen!
Wir finden, niemand darf mit Repression wegen seines oder ihres politischen Engagements alleingelassen werden! Deshalb gibt es unter anderem Rechtshilfegruppen, Ermittlungsausschüsse, Solifonds und -kreise, Broschüren zum Umgang und zu Erfahrungen
mit Polizei und Justiz, sowie Veranstaltungen zum Thema. Viele haben die Erfahrung gemacht, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht zu Einschüchterung führen muss, sondern das Vertrauen in die Gruppe und sich selbst stärken kann. Man fühlt sich staatlichen Repressionsorganen gegenüber nicht völlig hilflos ausgeliefert, sondern hat vieles im Kopf schon mal durchgespielt oder von Leuten gehört hat, wie sie mit solchen Situationen umgegangen sind. Deshalb glauben wir, dass das Thema Repression im politischen Alltag eine Rolle spielen sollte, dazu gehören auch die Ängste, Unsicherheiten und Fehler, die wir alle in solchen Momenten
kennen.
Es kann Sicherheit geben zu wissen, dass sich Leute um eine_n kümmern, wenn er/sie auf einer Demo festgenommen wurde, oder jemand nach einer Hausdurchsuchung zum Reden vorbeikommt, ’ne Demo organisiert und eine Soli-Cocktail-Bar auf die Beine stellt, um
die Kosten wieder reinzukriegen. Wir denken, dies ist eine ganz große Stärke unserer Bewegung, auf die wir nichts kommen lassen sollten. Und das geht am allerbesten, wenn sich alle immer mit dafür verantwortlich fühlen und hin und wieder Zeit, Geld, Soliarbeit, Texte, Veranstaltungen,
Knastbesuche usw.usw. dazu beitragen.
Wenn dies einen ganz normalen Teil des politischen Alltags von uns allen darstellt, dann bleibt auch immer noch genug Zeit, an den Themen weiterzumachen, die uns und denen wichtig
sind, die gerade nicht weitermachen können, weil sie sich mit den Folgen ihres politischen Engagements herumschlagen müssen…

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