19. …irgendwas mit Medien

Sichtbar werden – Umgang mit Medien
Leider müssen wir es an dieser Stelle mal aussprechen: Die Linke Szene ist momentan so marginalisiert, dass wir gerade die Revolution nicht starten können. Also ihr achtsamen, wachsamen, am System verzweifelnden Menschen: Kommt zu uns und werdet aktiv. Wir brauchen euch. In der Linken findet ihr nicht die bessere Welt, aber hier gibt es die tollsten Menschen mit den besten Ideen und den gesellschaftlich relevanten Themen. Aber wie erfahren diese Menschen davon?

Gegenöffentlichkeit
Um die ganzen klugen Inhalte und kreativen Aktionen sichtbar zu machen, sind wir mehr denn je auf Gegenöffentlichkeit angewiesen. Wie immer müssen wir alles selber machen. Auch Öffentlichkeit herstellen. Bei der Gegenöffentlichkeit spielen die digitalen Medien heute eine wichtige Rolle. Sichtbar werden, wenn selbst friedlicher Protest kriminalisiert wird im Zeitalter der Überwachung? Die Schließung von Indymedia Linksunten hat deutlich gezeigt, dass die Medienarbeit ebenso kriminalisiert werden kann wie Aktionen. Wegen der Repression ist es sehr wichtig mit Daten äußerst vorsichtig umzugehen.
Jede*r, die*der sich im Netz bewegt, hinterlässt Spuren! Und diese Spuren bleiben für
immer!

Wenn ihr Artikel schreibt, bloggt, Fotos, Videos oder Radio macht, achtet darauf keine Personen zu gefährden. Seid besonders achtsam mit Foto- oder Videomaterial.
Gesichter dürfen auf Bildmaterial nicht identifizierbar sein. Fotos sollten keine Metadaten enthalten.1 Macht keine Aufnahmen aus Spaß fürs Familienalbum, sondern gezielt. Überlegt euch vorher, was ihr damit machen wollt und warum ihr was dokumentiert. Übertragt das Material bei allernächster Gelegenheit auf einen sicheren und verschlüsselten Datenträger.

Umgang mit Sozialen Netzwerken
Nichts ist privat in Sozialen Netzwerken. Soziale Netzwerke sind nicht sozial, aber eine gute Möglichkeit Öffentlichkeit herzustellen. Die 684 Facebook Freund*innen sind keine Freundschaften, sondern der Kreis potenziell interessierter Menschen für die Dinge, die ihr öffentlich sagen möchtet. Legt euch eine oder mehrere digitale Identitäten zu, die für sonst nichts anderes verwendet werden und keine Rückschlüsse auf die offline Identität zulassen. Schafft euren privaten Facebookkanal ab! Dieser ist nicht privat, sondern von Behörden einsehbar.
Und loggt euch immer wieder aus Facebook aus, wenn ihr fertig damit seid es zu nutzen, damit Facebook den Besuch anderer Seiten dem Facebook-Nutzerkonto nicht zuordnen kann. Denn sonst registriert Facebook jede Seite, auf der ein Facebook-Plugin eingebunden ist, und verknüpft sie mit eurem Account.

Verschlüsselung
Digitaler Austausch ist grundsätzlich praktisch, aber beachtet bitte: Diskussion nur unter Pseudonym auf sicheren Servern wie z.B. Riseup, Squat.net oder Nadir. Mails verschlüsseln2 (und die Schlüsseldatenbank irgendwo sichern3). Organisiert Kryptoworkshops, wo ihr euch gegenseitig zeigen könnt wie es funktioniert.
Gemeinsam macht es Spaß. Es darf auch nicht vergessen werden, dass Verschlüsselungen mitunter irgendwann geknackt werden können. Also überlegt immer: Muss das jetzt niedergeschrieben werden? Sobald eine Aktion strafrechtlich relevant ist, ist Offline-Kommunikation die richtige Wahl.

Los geht’s
Welches Medium wählt ihr aus welchen Gründen aus? Wen wollt ihr erreichen? Mit welchen Worten sprecht ihr die Personen an, für die ihr den Artikel schreibt? Soll es ein parolenbespicktes Flugblatt im Szenesprech sein oder ein Aufruf für Anwohner*innen eines von Gentrifizierung bedrohten Kiezes? Für die inhaltliche Gestaltung helfen die W-Fragen: Wer macht was wann wo und warum?

Kleine Auswahl verschiedener Medien
Hier gibt es Möglichkeiten eigene Beiträge zu veröffentlichen:


Webseiten: Indymedia, Squat.net, Inforiot (Brandenburg), Terminal (Dresden), Plotter (Köln), Stressfaktor (Berlin)
Freie Radios: Radio Corax, Radio Blau, Radio Dreyeckland, Freies Radio Berlin und viele Freie Radios, freie-radios.net
Filmprojekte: Labournet, Cine Rebelde, Leftvision, Freundeskreis Videoclips
Fotos: Umbruch Bildarchiv
Mailinglisten: Reflectliste
Print: Interim (Berlin), Rote Hilfe Zeitung, Zeck (Hamburg), Analyse&Kritik, Lotta (NRW), Swing (Frankfurt/Main)


Zu vielen Bereichen für linke Themen gibt es auch Broschüren mit Themenschwerpunkten wie z.B. Arranca, iz3w, Graswurzelrevolution, Ami, Fiber, Aufbruch, Datenschleuder, Veganinfo, Abolishing the Borders from Below, Anti-Atom-Aktuell etc.

Wenn es bei euch einen linken Buchladen, einen Infoladen oder ein linkes Café gibt, dann schaut da doch einfach mal vorbei. Vielleicht findet ihr dabei was passendes.
ein gut gemachtes Transpi oder beschriftete Regenschirme sind auch Medien

Pressegruppen
Bei großen Camps oder Aktionstagen bildet sich meist eine eigene Pressegruppe. Hier gibt es verschiedene Ausprägungen, zum Beispiel während der G8-Proteste 2007 folgte die Pressegruppe der Camps einem Konzept, welches personenfixiertes und intransparentes Pressesprecher*innengehabe verhindern sollte. Diese Pressegruppen sind also nicht das gleiche wie Pressesprecher*innen! Sie sind/fühlen sich nicht autorisiert, für andere zu sprechen, sondern wollen Kontakte herstellen. Sie vermittelten also eher zwischen „Mainstreammedien“ und den Aktivist*innen. Falls ihr mitmachen wollt oder falls ihr Kontakt zur „Mainstreampresse“ haben möchtet, wäre es sinnvoll sich an diese Pressegruppe zu wenden.

Mainstreammedien
Der Umgang mit kommerziellen Medien ist ein viel diskutiertes Thema. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass sie das schreiben, was wirklich stattfand, wie an der Berichterstattung zum G20-Gipfel gut zu sehen war. Dennoch stellt sich die Frage, ob der entschlossene Ruf „Kameramann – Arschloch“ auf einer Demo als Umgang mit den bürgerlichen Medien ausreichend ist. Einen bewussten Umgang mit „Mainstreammedien“ zu finden, kann durchaus sinnvoll sein (auch wenn sich damit besser nicht der weit verbreitete Glaube verbinden sollte, die herrschenden Verhältnisse könnten dadurch verändert werden, dass „die Wahrheit“ in der Zeitung steht). Es ist vor allem wichtig, dass die Kritik an den herrschenden Verhältnissen sichtbar wird, dass wahrgenommen wird: Da gibt es Widerstand, Widerstand ist möglich! Um diese Botschaft zu transportieren, kann die „Mainstreampresse“ ganz nützlich sein.

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