18. Die Demosanigruppe rät…

Manchmal kann’s auch weh tun…
Wenn ihr als Bezugsgruppe auf eine Demo geht oder eine andere Aktion umsetzt, kann es passieren, dass ihr am Ende verletzt seid. Gründe dafür gibt es viele: Gewalt von Bullen, Nazis oder anderen Rassist*innen, von christlichen Fundamentalist*innen oder den Spießer*innen aus dem Haus nebenan, aber auch die eigene Unachtsamkeit oder die anderer Aktivist*innen kann dazu führen. Oft passiert das glücklicherweise nicht. Aber wenn, dann tut das weh und nervt. Also sprecht vorher in eurer Bezugsgruppe darüber, wie ihr damit umgeht, wenn wer beispielsweise von Pfefferspray getroffen wurde.

Auf Demos, Camps und bei anderen Aktionen gibt es oft Demosanis. Manchmal tragen diese rote Kleidung mit Reflexstreifen, ähnlich wie der klassische Rettungsdienst. Im Gegensatz dazu sind einige Sanis auch einfach so gekleidet wie ihr und fallen euch unter Umständen nicht sofort als solche auf. Versucht also am besten nicht nach Uniformen zu suchen, sondern ruft nach Sanis, wenn ihr Hilfe benötigt. Auch am Lauti kann euch bei Verletzungen oft weiter geholfen werden. Etwas Verbandszeug ist dort auf jeden Fall zu finden.

Grundsätzlich ist es aber besser, nicht auf Dritte – ob Sanis oder andere Aktivist*innen – angewiesen zu sein und sich selbst, aber auch anderen, helfen zu können. Sprecht doch mal bei euren Treffen darüber, wer was kann und den anderen von euch beibringen möchte, aber auch über bekannte Erkrankungen (z.B. Asthma) und was ihr in bestimmten Situationen braucht (z.B. „Ich hab mein Spray immer in der linken Hosentasche“). Dann könnt ihr auch gemeinsam überlegen, was ihr noch in euren Lieblings-Demojacken unterbringen könnt um euch, oder auch andere, bei Verletzungen unterstützen zu können. Alle Demosanigruppen bieten auch Workshops an. Wenn ihr nach eurem Austausch noch Fragen habt oder unsicher seid, meldet euch ruhig bei der Demosanigruppe eures Vertrauens. Wenn ihr keine kennt, kann der EA in eurer Stadt oder die Demosanivernetzung (a-s-k@riseup.net) oft einen Kontakt vermitteln.

Wenn ihr euch bei einer Aktion verletzt und Hilfe von anderen bekommt, solltet ihr auch hier nicht anfangen zu quatschen. Demosanis brauchen weder euren Namen, noch sonst irgendwelche Daten von euch. Sie müssen auch nicht „ganz genau“ wissen, was passiert ist, sondern nur, wodurch wo (an eurem Körper) eine Verletzung entstanden ist. Ihr entscheidet darüber, ob ein Rettungsdienst hinzugerufen wird oder ob ihr ins Krankenhaus geht. Oft reicht es aus, einen Tag später nochmal im Krankenhaus oder bei Ärzt*innen eures Vertrauens vorbeizuschauen. So können die Bullen dann auch nicht eure Daten aus Krankenhausakten holen und euch irgendetwas vorwerfen. Trotzdem solltet ihr Rettungsdienst oder Krankenhaus nutzen, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr dort notwendige Hilfe bekommt.

Wenn ihr blutet und die Verletzung versorgt wird, ist es sinnvoll, dass andere aus eurer Bezugsgruppe darauf achten, nichts zurück zu lassen. Auf dem Boden etwas Sand drüber verhindert schon, dass die Bullen mit dem Blut eine DNA-Analyse machen. Auch Kleidung, Stoff oder Verbandsmaterial sollten mitgenommen und ein paar Straßen weiter entsorgt werden. Solche Kleinigkeiten können dabei helfen im Nachhinein nicht noch mehr Stress zu bekommen.

Ihr solltet alle Verletzungen auch für den Rest der Aktion mit bedenken. Selbst wenn es im ersten Moment nicht wirklich weh tut, kann das später passieren. Sprecht das dann in eurer Bezugsgruppe an und fragt untereinander nochmal nach, ob sich was verändert hat. Nehmt euch immer mal wieder einen kurzen Moment, um auf euren Körper zu achten.

Auch bei eurer Nachbereitung sollte es Zeit geben über Gewalt zu reden, die ihr mit- oder abbekommen habt. Was haben andere in eurer Bezugsgruppe dann besonders gut gemacht, was wünscht ihr euch beim nächsten mal, was war doof? Wenn ihr darüber redet, könnt ihr euch dabei gemeinsam weiterentwickeln. Und der nächste gemeinsame Ausflug wird so vielleicht noch besser als die vergangenen.

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