21. Großaktionen – Perso mitnehmen oder nicht?

Es gibt immer wieder friedliche Großgruppenaktionen oder Kampagnen, bei denen in den letzten Jahren versucht wurde die Identitätsfeststellung zu boykottieren. Das geht zum Beispiel durch nicht-mitnehmen des Persos, mit Sekundenkleber die Fingerabdrücke verkleistern, mit Farbe im Gesicht biometrische Daten verwirren… Diese Strategien wirken – wenn sie gelingen – nicht nur erfolgreich gegen die staatliche Repression, sondern auch gegen die zivilrechtliche. Privatunternehmen kamen in den letzten Jahren manchmal auf die merkwürdige Idee legitimen Protest mit Unterlassungsverpflichtungserklärungen zu unterbinden. Wessen Identität festgestellt wurde, kriegt ein solches Schreiben mit Androhung einer Zivilklage, die unter Umständen teuer werden kann5. Bei Massenaktionen kann darauf spekuliert werden, dass es nicht möglich ist alle Identitäten festzustellen und dass somit nur wenige mit Repression beschäftigt sind. Wichtig ist grundsätzlich mitzudenken, dass es Repression gibt. Die Strategie der Personalienverweigerung basiert darauf, dass es viele nicht, einige aber auf alle Fälle treffen wird (siehe Rechtstipps). Das bedeutet, dass diese Menschen danach Unterstützung und Solidarität brauchen. Und es bedeutet sich grundsätzlich auch selbst mit Repression auseinanderzusetzen und nicht der Illusion zu verfallen „auf einer friedlichen Massenaktion sind meine Bezugsgruppe und ich geschützt“6. Guckt euch den Beat der jeweiligen Veranstaltung an. Es ist wichtig sich vorher klarzumachen, wie weit ihr selber gehen möchtet. Habe ich gerade die psychische Stabilität, um im Zweifelsfall in der Gefangenensammelstelle zu übernachten? Was wollen die anderen? Will ich das auch? Wie weit will ich gehen? Wie positioniert ihr euch als Bezugsgruppe?

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